VERÄNDERUNGEN DURCH LEBENSWEG-ARBEIT MIT NLP

Durch Lebensweg-Arbeit aus der Vergangenheit lernen und die Zukunft gestalten

Die Idee einer selbstbestimmten Zukunft erscheint uns heute nicht ungewöhnlich. Es geht nicht um Beliebigkeit, sondern darum, persönliche Voraussetzungen und ökologische Auswirkungen einzubeziehen.
Und die Vergangenheit? Hat sie tatsächlich – von den Genen bis zur Sozialisation – unveränderbare Programme in unser Inneres eingebrannt? Wir finden in unserer Vergangenheit viele Quellen von Energie und Wissen. Es lohnt sich, sie wieder zu entdecken. Auch behindernde oder schwierige Erfahrungen können somit zu Quellen positiver Entwicklung werden, indem wir sie im größeren Zusammenhang neu verstehen. Durch die Nutzung von Ressourcen können aus Grenzen Lernschritte werden. Damit wir das, was unserem wirklichen Wesen entspricht, heute und in der Zukunft verwirklichen können. Für uns selbst und für Andere. Die Lebensweg-Arbeit im NLP hilft bei beiden Aspekten.

Der Ansatz der Lebensweg-Arbeit im NLP mit der Vergangenheit

Das Auffinden und Bearbeiten von ursächlichen vergangenen Erfahrungen verstärkt die Wirksamkeit von Veränderungsarbeit. Bandler und Grinder entwickelten die Methode „Geschichte verändern“ (beschrieben in „Neue Wege der Kurzzeit-Therapie“), in welcher zu einem ausgewählten Thema relevante frühere Erfahrungen aufgesucht und nacheinander mit Ressourcen versehen werden. Wir können diese Methode als Mutter der NLP-Lebensweg-Arbeit betrachten. Schon hier ging es darum, durch subtiles Führen einem Klienten Erinnerungen zugänglich zu machen, die bewusst ganz oder teilweise verschüttet waren. Für diesen Zweck wurden mehr und mehr Rückführ-Modelle und unterstützende Metaphern entwickelt, welche sich der ganzen sinnlichen und sprachlichen Vielfalt des NLP bedienten: von der Arbeit mit Ankern, dem Nutzen von Submodalitäten oder der inneren Zeitreise unter veränderten Bewusstseinszuständen (Trance).
Der Begriff „Timeline-Therapie“ (Tad James) bezieht sich insbesondere auf die Art der genutzten Vorstellung zur Bewegung durch die Lebensabschnitte, nämlich dem Bild einer Zeitlinie, auf welcher die einzelnen Erlebnisse individuell angeordnet sind, sodass man sie z. B. durchlaufen, überfliegen oder in ganzen Abschnitten verändern kann.

„Reimprinting“ (Robert Dilts) bezieht sich auf die Art der Veränderungsarbeit in der Vergangenheit. Es geht darum, prägende Erfahrungen oder Familienkonstellationen aufzufinden und alle daran Beteiligten so mit Ressourcen zu versorgen, dass modellhaft erlebt werden kann, wie eine positive Entwicklung entsteht. Diese neuen Erfahrungen können zu kraftvollen „Neu-Ein-Prägungen“ für das Leben des Klienten werden und eingrenzende Überzeugungen oder Entscheidungen aufheben. Der Begriff „Lebensweg-Arbeit“ (Bernd Isert) integriert die verschiedensten Arten von Bewegung durch die Zeit und von Veränderungsarbeit in der Zeit.

Hier zusammenfassend die Ziele der Lebensweg-Arbeit mit der Vergangenheit:

  • Die Vielzahl der offen oder verborgen liegenden positiven Lernerfahrungen zu erschließen und für die Gestaltung des Lebens zu nutzen
  • Ursprungserfahrungen von Problemen, Konflikten und Einschränkungen aufzufinden und zu verändern, sodass sich auch die Gegenwart und die Zukunft verändern können
  • Defizite in der persönlichen Entwicklung zu erfassen und Modelle dafür zu schaffen, wie wichtige Entwicklungsschritte in erfüllter Weise vollzogen werden können, damit die Defizite ausgeglichen werden
  • Einschränkende Entscheidungen und behindernde Überzeugungen (beliefs) in ihrer Entstehung zu verstehen, zu relativieren und sich neu zu entscheiden

Alles in Allem: Aus der Vergangenheit zu lernen. Was für einzelne Menschen gilt, ist natürlich auch für Gemeinschaften, Organisationen, Unternehmen und Kulturen wichtig. Historiker leben davon.

Der Ansatz der Lebensweg-Arbeit im NLP mit der Zukunft

Zu den ersten NLP-Modellen gehörte die Kunst, sich „wohlgeformte“ Ziele zu setzen. Hinzu kam die Entwicklung optimaler „Strategien“ zum Erreichen dieser Ziele (z.B. Neues Verhalten herstellen, Disney-Strategie u. a.). Zu fast jedem NLP-Prozess gehört eine „Zukunftsprojektion“, nämlich die Überprüfung der Lernergebnisse anhand vorgestellter zukünftiger Situationen (Future-Pace). All das ist Arbeit mit der Zukunft. Mehr und mehr Bedeutung gewinnt die langzeitorientierte Arbeit an und mit Visionen sowie die Suche nach überpersönlicher Sinngebung. Werden diese Elemente mit den Methoden der Lebensweg-Arbeit verbunden, ergeben sich daraus kraftvolle Mittel, eigene Zukunftsentwürfe zu gestalten, miteinander in Einklang zu bringen und buchstäblich in die innere Vorstellungswelt von der Zukunft einzupflanzen.

Doch die Zukunft bietet nicht nur Ziele. Auch die Arbeit mit Trennung, Tod, Entmutigung und Konflikten gehört dazu. Es zeigt sich, dass dieselben Prinzipien, welche in der Aufarbeitung der Vergangenheit genutzt werden, auch hier von großem Wert sind. Insbesondere das Aufbauen und Integrieren von Ressourcen für zukünftige Ereignisse ist hilfreich, für sich selbst und andere Beteiligte. Bei der Bearbeitung der meisten Themen erweist sich die Einbeziehung der Vergangenheit und der Zukunft als der beste Weg. Beide Richtungen bedingen und ergänzen einander. Viele die Zukunft betreffende Schwierigkeiten lassen sich erst lösen, wenn ihre in der Vergangenheit liegenden Ursachen verändert werden. Viele Ressourcen für die Meisterung zukünftiger Herausforderungen lassen sich in der eigenen Vergangenheit auffinden.

Zusammenfassend geht es bei der Arbeit mit der Zukunft darum, Visionen zugänglich zu machen:

  • Ziele zu klären, in die Zukunft zu „pflanzen“ und in ihrer Wirkung zu erleben
  • Den Weg zu gestalten, Strategien zu entwickeln
  • Ressourcen für schwierige Zeiten aufzubauen
  • Entscheidungsklarheit zu entwickeln

Betrachten wir die Gegenwart als Ist-Zustand oder „Symptom“, so suchen wir in der Vergangenheit die „Ursachen“ dieses Zustandes, in der Zukunft hingegen die „Ziele“ und die „Effekte“, welche diese Ziele auf unser Leben haben. Und wo sie gebraucht werden, lassen wir Ressourcen hinzukommen. Dies ist die Verbindung der Lebensweg-Arbeit mit dem an anderer Stelle beschriebenen Score-Modell.

Noch ein Wort zu den Themen, die bearbeitet werden können. Das Modell der Neurologischen-Ebenen nach Robert Dilts bringt zum Ausdruck, dass sich Menschen auf verschiedenen Ebenen entwickeln. Es ist eine große Bereicherung der Lebensweg-Arbeit, unterscheiden zu können, ob es bei einem Menschen primär um die Umgebung, um Verhalten, Fähigkeiten, Werte, Überzeugungen, die Identität oder die Zugehörigkeit geht. Je weiter „oben“ ein Thema angesiedelt ist, um so tiefgreifendere Ergebnisse kann die Lebensweg-Arbeit für das ganze Dasein des Menschen ermöglichen. Die tiefe Veränderungsarbeit erfordert ein Maß an Ausbildung und Erfahrung, das normalerweise weit über den möglichen Rahmen einer NLP Practitioner Ausbildung hinausgeht.

Lebensweg-Arbeit im NLP – Die Formatgrundlagen

Die Ereignisse unseres Lebens ordnen sich ganz individuell entlang von Linien, Spiralen, Wegen, Landschaften, Landkarten, Netzen, Flächen, in verschachtelten Räumen und auf andere Arten an. Hier hat der Begriff der Zeitlinie (Timeline) seinen Ursprung: Es ist eine innerlich empfundene oder gesehene Verbindung der Ereignisse von der fernen Vergangenheit in Richtung Gegenwart und von da aus weiter in die Zukunft.

Form A: „Inmitten der Zeit“

Hier liegt die Vergangenheit hinten und die Zukunft vorn. Visuell ist hier nur die Zukunft wahrnehmbar, die Vergangenheit ist allenfalls von hinten spürbar. Die Person befindet sich im Normalzustand assoziiert in der Gegenwart und bewegt sich, um sich zu erinnern, entlang der Zeitlinie zurück. Die Person erlebt die erinnerten Situationen dann meist assoziiert.

Form B: „Seitwärts der Zeit“

Hier befinden sich Vergangenheit und Gegenwart im Gesichtsfeld der Person, sodass ein Gesamtüberblick ermöglicht wird. Die Person bleibt als Beobachter dissoziiert von den Ereignissen, manchmal auch dissoziiert von der eigenen Position in der Gegenwart. So ist es leichter, Abläufe zu erkennen und zeitlich zu planen. Hingegen ist es schwieriger, ganz das „Hier und Jetzt“ zu erleben. Ein Extrem dieser Form ist die einfach vor uns von links nach rechts verlaufende Gerade, welche an die Zahlengerade, aber auch an ein Fließband erinnert. Dabei ziehen Lebensereignisse an uns vorbei, indem sie von zukünftigen zu vergangenen Ereignissen werden.
Das ist hilfreich, um zu verstehen, wie wir die eigene innere Zeitlandschaft und die Fülle der in ihr aufgehobenen Erfahrungen und Vorstellungen gut und sicher bereisen, nutzen oder verändern können. Nicht zuletzt möge es uns nachsichtig machen gegenüber jenen, die in ihrer inneren Zeitorganisation ganz anders sind als wir selbst – seien es die überpünktlichen Planer oder die zeitvergessenden Genießer.

Ist die Lebensweg-Arbeit im NLP ein probates Mittel?

Bringt solche Arbeit überhaupt etwas? Oder machen wir uns nicht selbst etwas vor? Die Vergangenheit kann man doch sowieso nicht ändern! Es geht hier allerdings darum, neben den schon vorhandenen Erfahrungen über das, was nicht funktioniert, innere Modelle dafür zu entwickeln, wie etwas gehen könnte. Ein Modell ist umso wirksamer, je stärker es sinnlich erfahren wurde – aber es manifestiert sich erst zur Wirklichkeit, wenn es ganz gelebt und realisiert wurde. Lebensweg-Arbeit kann den Impuls liefern, alte Gleise zu verlassen.

Du veränderst nicht, was geschehen ist, sondern wie Du das Geschehene interpretierst und verarbeitest. Hier will Lebensweg-Arbeit eingerostete Scharniere lockern und aus all dem, was uns berührt, Lernerfahrungen machen. Nicht nur um des Lernens willen – auch dafür, etwas von diesem Leben zu haben. Das Spiel, und es ist das Spiel des NLP, heißt „als ob“ – Kinder spielen es gern und oft und lernen dabei ungemein viel. Irgendwann hat es die Vernunft verboten. Und nun ist es wieder erlaubt. Denn im „als ob“ bereiten wir uns auf das „es ist“ vor. Im „als ob“ liegt das zugelassene Experimentierfeld des Menschen.

Wenn ich Anderen Ressourcen schicke – wird sie das ändern? Wenn ich so tue, als hätten sie gute Absichten, werden sie dann besser? Versäume ich dann nicht, mich vor ihnen zu schützen? Wir sind keine Heiligen und Andere auch nicht. Aber alles, was ich im „Außen“ wahrnehme, repräsentiere ich in mir. Manche sagen sogar, alles wäre ein Anteil von mir, auch das, was ich nicht mag. Diese Ressourcen erreichen also Persönlichkeitsanteile in mir selbst, sie erreichen meine eigenen, bisher dunklen Stellen. Das bedeutet, ich finde mein Gleichgewicht und kann den Anderen aus diesem Gleichgewicht heraus begegnen: Vielleicht verändern sie sich dann auch, vielleicht kann ich mich dann auch klarer abgrenzen.

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